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TDA1540 NOS

Frischzellenkur für einen Philips CD-104 (Teil 2)

 
Während wir uns dem Philips CD104 im vorangegangenen TecBlog noch von der mechanischen Seite und vom Chipsatz her genähert haben, kommt dieses Mal wieder der Lötkolben zum Einsatz. Der Schwerpunkt ist der Umbau zum non-Oversampling (NOS). Obwohl die vorhandene Analogstufe prinzipiell bleibt, wechseln wir trotzdem die OPA gegen bessere Typen und deaktivieren das Analogfilter, um konzeptionell mit den TDA1541-Playern gleich zu ziehen. So wird man am Ende sehen, wie sich der CD-104 gegen die hot-modded 1541-Player schlägt.
 
 
 
Große Inspektion
Die Markteinführung unseres Probanden war etwa 1983/1984, also relativ kurz nach dem Philips CD100, dem ersten aller europäischen CD-Player. So langsam geht unser Player also auf die 30 zu, und das bedeutet ohne Wenn und Aber, dass er vor einem Tuning gründlich überholt werden muss, will man noch viele Jahre Spaß mit dem Gerät haben. Der Austausch aller Elkos und Potis sowie das komplette Nachlöten aller Platinen sind obligatorisch, aber durchaus durch die Tatsache erschwert, dass es schlichtweg keinen Bestückungsdruck gibt, der uns Bauteilbezeichnung oder Polung verrät. Aber auch das CDM1-Laufwerk, beziehungsweise die Schubladenmechanik, fordert mehr zeitliche Zuwendung als seine Nachfolger. Denn wird nicht ordentlich gereinigt und geschmiert, rutscht beim Schließen der Puck nicht perfekt auf die Spindel, und dann bockt der Player nicht nur im sprichwörtlichen Sinne.
 
NOS-MOD
Nach der Revision und dem anschließenden Probelauf als qualitätssichernde Maßnahme ist das Tuning fast schon ein Kinderspiel. Im Gegensatz zu den 1541-Playern können wir den Digitalfilter-Chip SAA7030 bedenkenlos entfernen, ohne auf Komfortfunktionen verzichten zu müssen. Es bleiben lediglich vier Brücken zu installieren, die auf der Platine die ehemaligen Eingänge des Chips auf die Ausgänge durchverbinden.
 
 
Da der DA-Wandler TDA1540 nur 14-Bit Worte kann, der SAA7000 aber das Digitalfilter standardmäßig mit 16 Bits füttert, müssen wir noch den SAA7000 in den 14-Bit-Modus schalten. Das ist glücklicherweise möglich, denn sonst wäre der NOS-Umbau relativ haarig geworden. Pin 16 des SAA7000 liegt im 16-Bit-Modus an Masse, aber für den 14-Bit-Modus klemmen wir ihn mittels eines 1kOhm-Widerstands an die 5 Volt-Versorgung, zum Beispiel an Pin 18. Die Leiterbahn, die für Pin 16 den Massekontakt herstellt, ist, weil SMD-like ausgeführt, kein Gegner und so trennt man sie einfach auf.
 
Analog-Tuning
Die Analogstufe bleibt organisch erhalten, schon allein deshalb, weil im Gerät kein Platz für ein Challenger-Board oder ähnliche wäre. Ein Umbau auf Röhrenstufe ist möglich, wenn auch hier nicht verfolgt, da sich der TDA1540 zur Analogseite hin praktisch identisch zum röhrenerprobten TDA1541 verhält. Die alten Operationsverstärker müssen aber raus! Vom technischen Standpunkt aus passen fast alle denkbaren Doppel-OPA in die Schaltung, so dass jeder seine Lieblingstype einsetzen kann. Wir verwenden für den CD104 den guten alten OPA2604, auch damit das Tuning-Budget diesmal wirklich im Rahmen bleibt, verbauen aber immer Sockel, um ein möglicherweise späteres Upgrade lötfrei zu ermöglichen.
So bleibt als letzter Schritt nur noch, das Analogfilter auszuschalten. In Sachen Alias- Verzerrungen ist es nach der Viertelung des Takts sowieso wirkungslos, weil die Eckfrequenz um Faktor vier zu hoch angesetzt wäre, weshalb man es auch in der Schaltung belassen könnte. Allerdings dreht das Filter bereits im einstelligen Kilohertz-Bereich gehörig an der Phase. Damit es das bitteschön nicht tut, legen wir das Filter still. Dafür reicht es bereits, nach der ersten OPA-Stufe eine Brücke auf den Koppelkondensator zu ziehen, und die Leiterbahn zu unterbrechen, die von der zweiten Stufe auf den Koppelkondensator führt. Alle Filterbauteile können ruhig auf der Platine verbleiben. Da die zweite OPA-Stufe nachwievor vorne wie hinten abgeschlossen ist, kann nichts schwingen oder sonstigen Unsinn stiften. Der verbliebene einfache Tiefpass über der ersten Stufe ist gewollt, wirkt er doch als Hochfreqeuenz-Bremse.
 
 
Ein Vorher-/Nachher-Vergleich der Decoder-Platine zeigt, dass sich die Umbau-Arbeiten wirklich in Grenzen halten. Kein Vergleich mit dem mehrstündigen Einbau eines Challenger-Boards...
 
 
 
 
 
Grau ist alle Theorie,
denn erst im Hörraum wird es wieder ernst, respektive: beginnt der eigentliche Spass. Hier gibt sich der CD-104 tonal immer noch als 104 zu erkennen, mit genau dem warmen Grundklang, den wir Freunde der TDA154x-Wandler so schätzen. Entsprechend unterstützt er Stimmen mit einem sehr schönen Volumen - gerade Eva Cassidys "Autumn leaves" aus der Songbird-Compilation (Blix Street Records G2-10145) ist (wieder einmal) ein Traum.
 
 
Die Bühne zeigt sich nach dem Umbau deutlich verändert: Die Solostimme ist unabhängig von der Begleitung stabil zentriert und scheint ein Stück näher an den Hörplatz heranzurücken, dabei ist in Wirklichkeit einfach nur mehr "Luft" zwischen den einzelnen Stimmen und Instrumenten. Den gleichen Effekt kennen wir schon vom non-Oversampling-Umbau der 1541-Player. So durfte man den Effekt eigentlich erwarten, gleichwohl überrascht es doch ein wenig, wie vorhersagbar sich die Bühne zum Besseren verändert. Wenn der Philips im Ausgangszustand noch ein klein wenig muffig klang, so ist das Klangbild als Ganzes nun deutlich frischer, spritziger, auch wenn dies zwei wirklich doofe Formulierungen sind. Auch diesen Effekt kennen wir schon von der 1541-Tuningserie und wissen von daher, dass das nicht mehr vorhandene Interpolationsfilter die "Hauptschuld" an dieser Verbesserung trägt.
Nach dem Wegfall des Digitalfilters ist der Philips ein reiner 14-Bit-Player, ohne Noise-Shaping und andere Tricks, die die Brutto-Auflösung wieder erhöhen würden. Ein Mangel an Auflösungsvermögen ist dennoch nicht festzustellen, wohl auch, weil die Analogstufe per se nicht die schlechteste ist, und die neuen OPA sich ebenfalls gut ins Konzept fügen. Nehmen wir als Beispiel Bruce Springsteen mit "Born To Run" (Greatest Hits, Col/Sony B000025T76). Da tummelt sich allerhand in den mittleren Frequenzen: neben den Gesangsstimmen noch mindestens zwei Gitarren, dazu akzentuiert ein Klavier über Synthi-Teppichen. Wer Klangbrei erwartet täuscht sich, denn der NOS-104 klamüsert das sehr gut auseinander, auch wenn er nicht ganz die Detailauflösung der 1541-Konkurrenz, sei es mit Röhre oder Challenger-Board, erreicht. Das ist aber im Grunde schon in Ordnung, schließlich steckt in den 1541-Playern auch wesentlich mehr Aufwand.
Wenn es ein Album gibt, das auf einer Scheibe höchste Ansprüche an Tonalität, Räumlichkeit und Dynamik vereint, dann ist es (wieder einmal) Didier Squiban und "Porz Gwenn". Und diese Scheibe "frisst" der NOS-Philips regelrecht, hier zeigt er am deutlichsten, wie sehr er durch das Tuning gewonnen hat. In dieser Konstitution ist er nicht nur für Vintage-Anlagen, sondern für jede Stereo-Anlage ein Gewinn!
 
Fazit
Alles in allem kommt der getunte CD-104 zwar nicht ganz an die "jüngeren" TDA1541-Player heran, braucht sich aber auch wirklich nicht zu verstecken. In der Klasse bis sagen wir 1500 Euro wird man wohl nur ganz wenige CD-Player finden, die den getunten Philips in seine Grenzen weisen. Und wer die mechanische Pracht des Geräts schätzt, wird sich ohnehin der Vintage-Leidenschaft ergeben...
 
 
Bis zum nächsten Mal,
Ihr Team von McIntyre-HiFi
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