Ingenieurbüro Sigl
Ringseisstr. 4a
D-92431 Neunburg v.W.
Fon.: +49 (0)9672 - 926102
Fax.: +49 (0)9672 - 926103
Startseite :: TecBlog :: Projektabschluss TecBlog-Home
Komponenten
Röhrenverstärker
Netzteile
Bedienteile
Zubehör
CD-Technik
Geräte-Galerie
CD-Player
TecBlog - Home
Eine Sammlung von technischen Artikeln rund um Röhren-Hifi.
TecBlog - Reihe
Das TDA1541-Projekt (8): Resümee
Das TDA1541-Projekt (7): Einbau der Masterclock
Das TDA1541-Projekt (6): Jitter und Masterclocks
Das TDA1541-Projekt (5): Umbau zum non-Oversampling
Das TDA1541-Projekt (4): Das Oversampling
Das TDA1541-Projekt (3): Röhren-Ausgangsstufe
Das TDA1541-Projekt (2): Filterlose Ausgangsstufe
Das TDA1541-Projekt (1): Die Lehren des Kusunoki
Service
Kontakt
Downloads
Datenschutz
Impressum
 

Das TDA1541-Projekt

Teil 8: Schlussbetrachtung mit der Liste tuning-fähiger CD-Player

 
Am Anfang war es nur ein alter Marantz CD65 MKII, einer wie viele andere CD-Player der 80iger Jahre auch. Dann hat man ihm das Oversampling weggenommen und ihm anstelle dessen einen Reclocker eingepflanzt, hat die originale Analogstufe komplett ausgebaut und ihn mit einer externen, filterlosen Röhrenstufe versehen. Das Ganze noch garniert mit einer hochwertigen Masterclock ergibt nichts weniger als eine Granate von CD-Player. Wie konnte das nur passieren?
 
Die Lehren des Kusunoki
Das zugrundeliegende Rezept für unseren Projekt-Player, namentlich der Verzicht auf das Oversampling und das Analogfilter, lieferten zweifellos die Arbeiten von Ryohai Kusunoki. Allerdings waren es mehr die teilweise schon euphorischen Klangbeschreibungen, die uns motiviert haben, während die technischen Ausführungen von Kusunoki-San streckenweise eher Stirnrunzeln verursacht haben. Einen Ausschnitt seiner Lehren haben wir im ersten Teil dieser Serie den Umbauarbeiten vorangestellt. Diese wollen wir bewusst nicht noch einmal durchkauen, sondern nutzen lieber den eigenen Verstand für ein Resümee.
 
Ursache und Wirkung
Es mag zwar ziemlich banal klingen, aber die Basis für jeden Umbau und für jedes Tuning ist eine gründliche Revision des Geräts. Die CDM-Lauwerke mögen inklusive Laser praktisch unkaputtbar sein, wenn man vom berüchtigten CDM-2 Schubladenzahnrad großzügig absieht, 25 Jahre alte Elektronik ist es sicherlich nicht. Im Tagesgeschäft sieht man Lötstellen, die keine mehr sind, und Elkos, die soviel Kapazität verloren haben, dass sie im wesentlichen nur noch dekorativen Charakter haben. Wer die nächsten zehn Jahre Spaß mit seinem noOS/noFi haben möchte, wird um eine große Inspektion nicht herum kommen.
 
Den weitaus größten Fortschritt in Sachen Sound bringt der Austausch des Digitalfilters SAA7220 gegen unser non-Oversampling Modul. In unserer Betrachtung des Oversamplings haben wir eindeutig das Interpolationsfilter (Oversampling = Upsampling + Interpolation) als Klangbremse identifiziert, weil es das digitale Signal im Zeitbereich verschmiert. Betrachtet man wie in Teil 4 die Sprungantwort des Systems, entdeckt man eine Reihe von "Echos" nach und vor allem vor dem eigentlichen Hauptimpuls, allesamt unerwünscht, weil sie, und da fällt uns kein besserer Begriff ein, das Signal zeitlich verschmieren. Ohne Digifilter-Chip und damit ohne Oversampling fällt dieses auch als Filter-Ringing bekannte Phänomen weg. Der hörbare Effekt ist vielschichtig und in seiner Quantität enorm: Fein- und Grobdynamik gehen um Welten besser, oder einfacher ausgedrückt: der Player wird unglaublich schnell. Die schwierigsten Klavier- und Violinpassagen werden leichtfüßig und völlig unangestrengt natürlich wiedergegeben, wo bestens beleumundete High-Price-Player nur noch oberflächlich drübergehen. Die virtuelle Bühne ändert sich in ihrer Größe nicht. Nur ist nach dem Umbau viel mehr Luft zwischen den Instrumenten und Stimmen, und vor allen Dingen ist die Solostimme in der Bühnenmitte felsenfest betoniert.
 
 
Die perfekte Ergänzung zum non-Oversampling Umbau ist eine neue, filterlose Ausgangsstufe, die wir im Rahmen dieses Projekts - wie könnte es anders sein - als Röhrenstufe realisiert haben. Der Verzicht auf das normalerweise obligatorische Ausgangsfilter alleine bringt unseres Erachtens nicht den großen Qualitätssprung. Zwar wird es bestimmt nicht schaden, wenn der Amplitudenverlauf keinen Abfall in Richtung 20kHz mehr zeigt, und viel wichtiger noch, die Phase nicht schon im unteren Kilohertz-Bereich dreht. Aber der Zugewinn an Auflösung und Detailreichtum begründet sich eher in der Qualität der Verstärkerstufe als solche, begründet sich mehr im Verlust von Koppelkondensatoren und billigen Mute-Transistoren, aber der wahrscheinlich gewichtigste Aspekt ist die eigenständige und vom CD-Player völlig getrennte Spannungsversorgung der Stufe. Selbstverständlich haben wir den Umkehrtest gemacht, also die alte Schaltung im Grunde beibehalten, aber Kondensatoren und OPA gegen feinste Ware getauscht. Das Ergebnis war ernüchternd, ob filterlos oder nicht. Zwar in Nuancen besser als die Originalschaltung, aber weit von einer eigenständigen Ausgangsstufe entfernt. Die muss übrigens nicht zwingend eine Röhrenstufe sein, um das nächste Digitalprojekt schon mal durchklingen zu lassen...
 
 
Die spannendste Frage, die sich im Verlauf des Projekts stellte, ist die nach den Alias- Verzerrungen. Ein digitales, sprich quantisiertes Signal im Basisband ohne jeden Tiefpass am analogen Ausgang müsste doch eine Überfaltung der Spektren erzeugen, die in den folgenden (nicht perfekt linearen) Verstärkerstufen heruntergemischt wird. Das sollte eigentlich hörbare und hässliche weil disharmonische Verzerrungen erzeugen - tut es aber nicht! Gut, so einfach ist die Geschichte dann doch nicht, weil messen kann man die Alias-Verzerrungen sehr wohl. Wie nicht anders zu erwarten, steigt der Klirr zu hohen Frequenzen hin überproportional stark an - bis in den zweistelligen Prozentbereich. Die hierfür verwendeten Testsignale haben aber mit der Frequenzzusammensetzung einer Musik-CD nichts zu tun, denn die besitzt kaum energetisch nennenswerte Anteile sehr hoher Frequenzen. Da wir die Alias-Verzerrungen als mögliche Show-Stopper des Projekts begriffen und gefürchtet haben, haben wir ausführlich getestet und testen lassen: mehrere Exemplare umgebauter CD-Player in diversen Anlagen, ob Röhre oder Halbleiter, ob sehr hochwertig oder nicht ganz so hochwertig, gequält mit Flügeln, Violinen und Blechgebläse. Ergebnis: Obwohl instruiert konnte kein Tester von hörbaren Verzerrungen berichten.
 
Das Sahnehäubchen auf den Sound-Ausbau liefert die Masterclock in Verbindung mit der Reclocker-Einheit des 7220noOS. Ein non-Oversampling-System ist Jitter gegenüber viel toleranter als ein high-Oversampling-System, beispielsweise eines MASH-Wandlers. Trotzdem ist es erstaunlich, wie zum Beispiel Soloviolinen an Klangcharakter gewinnen. Kein von oben aufgesetzter Gleichmacher-Effekt, sondern ganz im Gegenteil, der Eigencharakter jedes Instruments kommt wesentlich stärker zur Geltung, wo ohne Masterclock und Reclocker Bauart und Hersteller der Geigen nicht unterscheidbar waren.
Alles in allem spielt das Gesamtpaket auf einem Niveau, das 99% aller aktuellen CD-Player in den Schatten stellt. Uns ist die Mächtigkeit dieser Aussage sehr wohl bewusst. Aber wer uns, respektive die Player, auf die Probe stellen möchte, ob als Zweifler oder Sympathisant, der möge nach einem Termin zum Soundcheck bei McIntyre's fragen.
 
 
Die Liste mit den TDA1541-Playern
Der Marantz CD65 MKII hat uns treu durch dieses Projekt begleitet und wir haben ihn ob seines service-freundlichen Aufbaus sehr zu schätzen gelernt. Dennoch ist er beileibe nicht die einzig mögliche Tuning-Basis, denn CD-Player mit dem geforderten Chipsatz aus SAA7210- Laufwerksdecoder, SAA7220-Digitalfilter und TDA1541-Wandler gibt es derer viele. Hinter nachfolgendem Link verbirgt sich die Liste möglicher CD-Player als pdf-Download, so dass jeder seinen Favoriten herauspicken kann. Für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Liste können wir allerdings nicht garantieren.
Sammlung von TDA1541-Playern download Download
 
 
Ausblick
Diese TecBlog-Reihe war noch im Entstehen und keineswegs abgeschlossen, da wurden schon die ersten kritischen Stimmen laut. Die Röhrenstufe wäre zwar im Prinzip sexy, aber als zusätzliches Gerät zu groß, zu teuer und irgendwie unpraktisch. Ob es denn keine kleinere Lösung gäbe, die mit in das Player-Gehäuse passte, notfalls mit Halbleitern? Nun, die Lösung hört intern auf den Namen "Challenger" und wird demnächst spruchreif sein...
 
 
Bis zum nächsten Mal,
Ihr Team von McIntyre-HiFi
zurück zur TecBlog-Übersicht
Startseite
 
2008-2015 Alle Rechte vorbehalten: Ingenieurbüro Sigl